Von allem zu wenig
Geld ist knapp. Zumindest wenn man wenig davon besitzt. Um dieser finanziellen Knappheit mit materiellem Reichtum entgegenzuwirken, bedient sich Otto Normalverbraucher, fortan Konsumidiot genannt, der Taktik des - *trommelwirbel* - Konsums.
Er kauft, was nicht bei “Drei” auf dem Baum verschwunden ist, er ergattert schnellstmöglich, was als reduziert angepriesen wird - sei es im Preis, im Marktwert oder gar in der vertriebenen Stückzahl und Qualität - Hauptsache reduziert. Zudem stürzt er sich auf alles, auf das es, natürlich nur für einen bestimmten Zeitraum, Prozente gibt.
“20% auf alles”, wirbt beispielsweise der Baumarkt auffordernd. Interpretieren wir diesen bekannten Slogan wortwörtlich, so dürfen wir in diesem Zeitraum folglich statt 5,30 € für den Quadratmeter unseres Lieblingsparkettbodens 6,36 € hinblättern.
Egal, was zählt, sind die Prozente. Und falls der Slogan, bzw. die dahinter stehende Aktion doch aus Versehen zum Vorteil des Kunden ausgelegt wurde, so sind die Preise im Verlaufe der vier bis fünf Monate vor Beginn der Aktion stetig erhöht worden. Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel. Und ohne Regel keine Ausnahme.
Wie dem auch sei: Kehrt der Konsumidiot nach einem erfolgreichen Tag des Konsums in sein trautes Heim zurück, wird er nicht lange brauchen, um festzustellen, dass er trotz der guten Ausbeute an diesem Tag, immer noch von allem zu wenig besitzt. Und noch weniger an Geld.
Wir, die Autoren, nutzen diesen Netzort, um über den alltäglichen Konsumwahn(sinn) in all seinen zahlreichen Facetten - Güter, Medien, Sprache - zu berichten und lassen es dabei nur selten an spürbarer Ironie und gesundem Sarkasmus mangeln.
Konsum, der; -s <ital.> (Verbrauch, Verzehr)
Idiot, der; -en, -en <griech.>; (ugs. abwertend Dummkopf; Trottel)
Konsumidiot, der; -s, -en <gritalienisch>; (Exemplar einer global wütenden Spezies, deren Gesamtzustand sich über permanenten Verbrauch definiert. Siehe Menschheit↑)


