Was haben Website, Webseite und Homepage gemeinsam?

Am 09.01.2007 verfasst von EssWeh in Sprachkonsum.

Alle drei Begriffe werden im Volksmund oftmals für die Bezeichnung derselben Sache verwendet. Doch sind diese Begriffe einander wirklich synonym? Falls nicht, welche Bezeichnung ist korrekt?

Für das Wort Website spricht, dass es ein aus einer einzigen Sprache entlehnter Begriff ist, nämlich dem Englischen. Doch ist das wirklich der Fall? Es heißt ja, dass Wörter, die aus Fremdsprachen im Allgemeinen und dem Englischen im Speziellen übernommen werden, sich der deutschen Grammatik zu beugen haben. Aber würde sich in diesem Fall der Plural - Websiten - nicht grausam anhören und unwiderstehlich nach dem Einfügen eines zusätzlichen “e”s schreien, damit stattdessen von Webseiten die Rede wäre? Zudem schreibt man Substantive im Englischen klein, also wurde hier bereits ein wenig eingedeutscht. Oder schreibt man derlei Fremdwörter im Deutschen sogar klein? Wäre mir neu. Jedenfalls kann ich die verbreitete Ansicht, im Plural von Websites zu sprechen, nicht nachvollziehen. Denn einerseits schreibt man es groß, fügt das Wort also als deutsches Substantiv ein, verharrt aber auf der englischen Plural-Endung mit s.

Das Wörtchen Homepage ist für die Bezeichnung eines kompletten Internetauftritts fehl am Platze. Denn es bezeichnet nur die Einstiegsseite, von der aus man in die verschiedenen Rubriken des Auftritts gelangt. Zudem steht außer Frage, dass es hierfür passende deutsche Alternativen gibt: Start-, Leit- oder eben Einstiegsseite. Prahlereien wie “Ey, isch hab jetz meine aigene Houmpeitsch!” können wir also getrost mit diesem Hinweis, evtl. in ein Sätzchen wie “Sehr schön! Und wann folgt der Rest?” verpackt, entgegnen.

Laut Wikipedia ist das Wort Webseite zwar eine gängige Bezeichnung, aber nur für eine einzelne Unterseite eines Internetauftritts. Die Homepage ist demnach also eine Spezialform einer Webseite innerhalb einer Website.

Webangebot, Webauftritt, Webort oder Webpräsenz sind allesamt ebenso wie oben erwähnte Webseite deutsch-englische Mischwörter und sprachlich nicht unbedingt zu bevorzugen. Zudem könnte man sich z. B. unter einem Webort auch ein altes Häuschen, in welchem eine Großmutter an ihrem Webstuhl sitzt und einen neuen Teppich anfertigt, vorstellen. Dieses Webprodukt wird sodann als Webangebot solventen Kunden zum Kauf angeboten …

Was also bleibt noch übrig? Im Duden ist mittlerweile das Wort “Internet” enthalten, es wurde also erfolgreich in die deutsche Sprache aufgenommen. Wozu sollten wir also noch auf den englischen Begriff “Web” zurückgreifen? Na ok, weil er kürzer ist … Aber ansonsten hören sich Internetangebot, Internetauftritt und Internetort doch genauso unschön an wie ihre Web-Gegenüber. Suchen wir also weiter. Man sagt vom Internet ja, dass es das weltweite Netz sei. Da es nun mal das größte aller derartigen Netze ist, kann man es als wohl als das Netz bezeichnen. Wie wäre es folglich mit Begriffen wie Netzangebot, Netzauftritt oder Netzort? Ich für meinen Teil bevorzuge den letztgenannten Begriff, er ist einigermaßen kurz und trotzdem ausreichend lang, die Sache zu beschreiben und wiederum einsprachig zusammengesetzt, dieses Mal aus deutschen Teilwörtern. Allerdings werden die ganzen Homepage- und Webseiten-Besitzer da draußen nicht viel damit anzufangen wissen.

 

5 Kommentare:

  1. 1 ErrHah meint:

    Ich war bisher sehr dem Netzauftritt zugetan. Aber nach ein paar mehr Gedanken zu dieser Thematik anhand dieses Artikels, finde ich nun auch „Netzort“ am genauesten, sowie kurz und deutsch. Mal angenommen, die Zielseite ist leer, so wäre es nicht angebracht, von einem Auftritt zu schreiben, während der Netzort immer noch stimmen würde. Schließlich bezieht er sich auf die Adresse, auf den Ort. Und nur der wird ja angegeben und ist mit Sicherheit vorhanden.

    Den anderen Quatsch von Homepage bis Webseite brauche und mag ich auch nicht. Mal sehen, wie sich das künftig entwickelt …

  2. 2 Martin meint:

    „Internetauftritt“ ist ja ein recht verbreitetes Wort. Ich benutze allerdings gern das Wort „Netzpräsenz“ (aktuell auch auf meiner nicht vorhandenen selbigen).
    Wobei ja eigentlich ein großer Unterschied zwischen dem Internet und dem Web besteht. Dennoch halte ich den Gebrauch des Wortes „Netz“ als Synonym für beide eben genannten englischen Wörter für legitim, da üblicherweise die Bedeutung entweder aus dem Kontext hervorgeht oder in diesem eine Unterscheidung nicht nötig oder sinnvoll ist.

    Mit dem Spamschutz hier kämpfe ich seit Wochen …

  3. 3 EssWeh meint:

    Hallo Martin,

    entschuldige, dass ich deine ersten beiden Versuche erst jetzt sah. Wird wohl an der ungewöhnlichen E-Mail-Adresse liegen, dass du von WordPress als Spam(m)er “behandelt” wirst. Jedenfalls hast du Recht, Internet und WWW bzw. Web sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Ich habe es im Beitrag trotzdem pauschalisiert und synonym verwendet, da dies wohl gängige, jedoch nicht ganz korrekte Praxis ist. Und ich bevorzuge die “Netz”-Begriffe auch, obwohl viele damit nichts anfangen können. Unser ErrHah hier z. B. verwendet auch den Begriff “Netzort” auf seiner Seite und erhält des Öfteren dubiose Angaben wie “Berlin” oder “Magdeburg” als solchen. Daran erkennt man, was sich der gewöhnliche Surfer darunter vorstellt ;)

  4. 4 Martin meint:

    Huh, das waren aber mehr als zwei Versuche, eher so schätzungsweise um die 8 :) Hier ist ja eine ganze Menge an Schutzmaßnahmen. Die Rechenaufgabe, dann noch ein Bild zum Abtippen, Moderation und dann noch diese JavaScript-Geschichte (habe dann bei den letzten Versuchen auch mal JavaScript angeschaltet, dann durfte ich nach Rechnen und Abtippen auch ohne Moderation rein), dann wird auch noch auf doppelte Beiträge geprüft, sodass ich nach jedem fehlgeschlagenen Versuch auch noch am Text rumpfuschen musste :( Klar hätte ich auch eine Mail schicken können, aber das war mir zu aufwendig.

    Die vermeintliche Mailadresse ist in Wahrheit gar keine, sondern eine Jabber-Kennung, das muss ich zugeben. Aber ich glaube nicht, dass die auf Funktionsfähigkeit überprüft wird. Das Format passt jedenfalls.

  5. 5 EssWeh meint:

    In Ordnung, ich habe das Spam-Karma-Plugin jetzt mal deaktiviert, war eh völlig übertrieben. Das bedeutet, die Captcha- und JavaScript-Geschichten kommen auf jeden Fall nicht mehr. Die Matheaufgabe bleibt. Und das standardmäßige Anti-Spam-Plugin, das verdächtige Kommentare in die Moderation-Warteschlange einreiht, vorerst auch. Somit solltest du Kommentare in weniger als ca. 5 Versuchen absenden können … Spaß, jetzt sollte es auf Anhieb klappen ;)

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